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Der Ring: "Kulturgeschichte auf kleinstem Raum"
Von Jörn Perske, 09.06.2011
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Schmuckdesignerin Carola Abeler in Hanau im Deutschen GoldschmiedehausSchmuckdesignerin Carola Abeler in Hanau im Deutschen Goldschmiedehaus
Hanau. Am Eingang der Ausstellung steuern die Besucher im Deutschen Goldschmiedehaus geradewegs auf einen imposanten Hingucker: ein glamouröser Ring der im März gestorbenen Hollywood-Diva Elizabeth Taylor.

Blau funkelt der Saphir in Herzform, umgeben von kleinen Brillanten. Schauspielkollege und Zweimal-Ehemann Richard Burton schenkte ihn ihr zur zweiten Hochzeit 1975. Das zu bewundernde Luxus-Schmuckstück ist aber dem Original nur nachempfunden.

Die meisten anderen Ringe, die von nun an bis zum 21. September in Hanau zu sehen sind, sind kostbare Originale.

"Den Wert der Sammlung vermag ich nicht zu beziffern", sagt Carola Abeler, die mit ihren Schwestern die in Wuppertal liegende und über Jahrzehnte zusammengetragene Ringsammlung des 2010 verstorbenen Vaters Jürgen erbte. 600 Stücke umfasst die Sammlung insgesamt.

Sie sei eine der größten und vielfältigsten in Deutschland, sagte Christianne Weber-Stöber vor der Eröffnung der abwechslungsreichen Ausstellung am Donnerstag. 280 Ringe werden gezeigt, erzählt wird die Geschichte und Symbolik des Ringes aus vier Jahrtausenden.

Die ältesten Exponate sind Rollsiegel-Ringe, die bereits um 3300 vor Christus in Mesopotamien gefertigt wurden. Die Ausstellung spannt chronologisch und thematisch einen Bogen durch den Lauf der Zeit.

Die Historie des Rings reiche bis in die prähistorische Zeit zurück und verkörpere "Kulturgeschichte auf kleinstem Raum", befand Weber-Stöber. Ringe hätten schon früher unterschiedlichste Aufgaben und Funktionen gehabt - fernab des Ehe- und Schmuckrings.

Sammlungserbin Carola Abeler kann sich angesichts der Vielfalt gar nicht entscheiden, welches ihr persönlicher Favorit ist. Angetan habe es ihr und ihrem Vater allerdings die "Spatzenmahlzeit".

Bei dem grazilen Werk von 1975 picken an einer leicht vertieften Weißgoldschale mit Elfenbeinrand zwei Vögelchen an einem gelbgoldenen Busch mit roten Beeren aus Rubinen.

"Mein Vater mochte es, wenn sich die Ringe bewegen ließen und man etwas aufmachen kann", erinnert sich Carola Abeler. Weniger putzig als die "Spatzenmahlzeit" wirkt da hingegen ein Teufelsring, bei dem sich der Schädel des Bösen öffnen lässt.

Abstrakter erscheinen hingegen kinetische Arbeiten aus den 1970er Jahren von Friedrich Becker mit beweglichen Objekten auf den Ringen. Vertreten sind auch Ringe des Hanauer Künstlers Claus Bury.

Erstaunlich auch aus welch unterschiedlichen Materialien Ringe gefertigt wurden; neben Edelmetallen, etwa auch aus Glas, Korallen, Steinen und sogar genähter Kalbshaut. Prägnant auch die Vielfalt der Motive auf den Ringen, etwa Tiere aus Afrika.

Geprotzt wurde in der Renaissance, als nicht selten acht oder neun Ringe gleichzeitig die blassen Hände zierten - vor allem um Macht und Ansehen zu symbolisieren. Gern verwendet wurden in dieser Epoche Porträtdarstellungen. Ausgefallene Modelle wurden auch aus Buchsbaum geschnitzt. Islamische Ringe hingegen waren von ihrer Bilderfeindlichkeit gekennzeichnet. Sie durften keine Abbilder enthalten, waren aber reich an Ornamenten.

Dem Anlass passend wurden Toten-Gedenkringe den Verstorbenen mitgegeben, sie enthielten auch Haarlocken. Die alten Ägypter gaben auch Kindern Ringe mit auf dem Weg ins Jenseits.

Prägnant in der Zeit auch die Doppelringe, die gleich zwei Finger schmückten. Trotz ihres Alters wirken die Ringe der Schau in Hanau erstaunlich gut erhalten. 95 Prozent seien Originale aus der Zeit, der Rest Nachbildungen.

Die Ausstellung ist bis zum 21. September 2011 im Silbersaal täglich, außer montags, von 11.00 bis 17.00 Uhr zu sehen. Öffentliche Führungen am Sonntag, den 19.06., 21.08. und 11.09. um 11.00 Uhr - und auf Anfrage.

Deutsches Goldschmiedehaus
Altstädter Markt 6, 63450 Hanau

» www.hanau.de

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