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Museum zeigt Kleiderbügel aus aller Herren Länder
Von Joachim Baier, 19.06.2011
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Hans-Peter Sieben, Mitarbeiter des örtlichen Heimatmuseums, steht in Wald-Michelbach im Heimatmuseum in einem Ausstellungsraum mit Kleiderbügeln. (Foto vom 04.05.2011)Hans-Peter Sieben, Mitarbeiter des örtlichen Heimatmuseums, steht in Wald-Michelbach im Heimatmuseum in einem Ausstellungsraum mit Kleiderbügeln.
Wald-Michelbach. Ein Stück Holz, der menschlichen Schulter nachempfunden, in der Mitte ein Haken. Ist das alles? Nein. Kleiderbügel gibt es auch aus Metall, aus Plastik, mit und ohne Aufdruck, mit Stoffüberzug oder quasi nackt. Sogar zum Aufblasen sind manche Stücke.

Das Überwälder Heimatmuseum in Wald-Michelbach im Odenwald beherbergt eine kaum zu überblickende Sammlung verschiedener Exemplare. "Der Kleiderbügel wird als Gegenstand eigentlich verkannt", erklärt Hans-Günther Morr, der mit seinem Museums-Kollegen Hans-Peter Sieben die Raritäten präsentiert. "Ohne geht es nicht." Das älteste Ausstellungsstück aus dem Jahr 1830 stammt aus Belgien.

Die Bauart ist zwar immer ähnlich, der Einfallsreichtum für Variationen aber grenzenlos. Exemplare in fast schon massiver Bauweise können schwere Mäntel und Pelze tragen.

Andere haben eine ungewohnte Aufpolsterung an den Enden. Sie sorgte im 18. Jahrhundert dafür, dass die Wulstärmel des Rokoko schön in Form blieben. In einer Ecke hängen Kleiderbügel in Leichtbauweise - für die Puppenküche.

Kleiderbügel setzten auch modische Trends. Mit farbiger Wolle liebevoll umhäkelte Ausführungen für die Diele verströmen noch heute das Flair der 1970er Jahre. Ein Massenprodukt aus dieser Zeit sind auch die mit Kunstleder überzogenen Exemplare. "Für die Garderobe wurde gerne die etwas schmuckere Ausführung gewählt", schildert Morr.

Was der Kunde brauchte, wurde produziert. Im 20. Jahrhundert kam das Baden in Mode. Also folgten die Hersteller den veränderten Ansprüchen und suchten nach einem Ersatz für das Holz: "Die Kleiderbügel waren aus wasserfestem Material", erzählt der 76-Jährige.

Die Ausstellung ist nicht nur wie ein Gang durch die Geschichte, sondern auch durch Berufsgruppen und eine Reise um die Welt. Die Kirche benötigte für die Messgewänder besonders große Kleiderbügel, die sich durch einen Scheren-Mechanismus extra anpassten.

Für Firmen-Vertreter, die viel unterwegs sind, gibt es Reisekleiderbügel. "Die kann man im Koffer kleiner machen. Das spart Platz", erklärt Morr. Die internationalen Exemplare bestechen durch ihre Exotik. Ein Kleiderbügel aus Hawaii ist mit bunten Figuren verziert, ein anderer aus dem "Hotel Club des Pesca y Bungallows" lässt die Gedanken nach Acapulco in Mexiko wandern.

Der Grund für die umfangreiche Kleiderbügelsammlung der Wald-Michelbacher liegt praktisch um die Ecke: Im keine zehn Kilometer entfernten Grasellenbach sitzt die Firma Coronet, europaweit einer der führenden Kleiderbügel-Hersteller.

In den besonders guten Zeiten nach der Wende gingen täglich eine Million Kleiderbügel in alle Welt. "Die Produktion begann Ende der 1950er Jahre mit Holz-Kleiderbügeln", sagt Geschäftsführer Hans Deckers. "Ab 1960 ging es los mit Kunststoff."

Auf ein Exemplar in der Museumssammlung ist Hans-Günther Morr besonders stolz: Ein Kleiderbügel aus dem Hotel "Bären" in Kiental im Berner Oberland. Er soll aus dem Zimmer des Kommunisten Lenin stammen, der dort 1916 an einer Konferenz teilnahm. Und manchmal ist ein Kleiderbügel auch für galligen Humor gut, etwa die Ausführung extra zum Geburtstag. Sie will mit dem Spruch trösten: "Ein Jahr älter - kein Grund zum Aufhängen".

Überwälder Heimatmuseum
In der Gass 9, 69483 Wald-Michelbach

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