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Frankfurter Literaturhaus öffnet sich
Auch Fußball kein Tabu
Von Thomas Maier, 26.08.2010

Frankfurt. Bei seiner öffentlichen Vorstellung vor drei Monaten gab sich Hauke Hückstädt noch zurückhaltend. Bei der Präsentation seines ersten Programms am Donnerstag hat der 41-jährige neue Chef des Frankfurter Literaturhauses aber deutlich gemacht, dass in das neoklassizistische Gebäude ein frischer Wind einzieht.
Neben Lesungen mit großen Schriftstellern wie Herta Müller oder Jonathan Franzen werden in den kommenden Wochen auch Trend-Blogger wie Sascha Lobo oder wenig bekannte jüngere Autoren einen Platz erhalten. Und im Literaturhaus werden auch bekannte Namen aus Kino, Theater, Musik, Wissenschaft, Trashkultur bis hin zu Fußball anzutreffen sein.
Hückstädt will die Literatur für andere Sparten öffnen. «Die Literatur ist unser verlässlichster Speicher, sie hat für alles Sinne», sagte der frühere Leiter des Literarischen Zentrums in Göttingen. So wird im Oktober der gerade von Berlin wieder nach Frankfurt übergesiedelte Autor Thomas Hettche («Die Liebe der Väter») sich mit Regisseur Hans-Jürgen Syberberg unterhalten.
Drehbuchautor Rolf Basedow und Schauspielerin Marie Bäumer werden über die im Oktober anlaufende TV-Miniserie «Im Angesicht des Verbrechens» Auskunft geben. Die Frankfurter Fußballerin Renate Lingor, gefürchtet für ihre tödlichen Pässe, wird über die robuste Anmut des Frauenfußballs sprechen.
«Ein Literaturhaus ist für alle da», sagt Hückstädt - unter seiner Vorgängerin Maria Gazzetti hatte das Haus eher einen stark- bildungsbürgerlichen Anstrich. Ausgangspunkt für die Begegnung mit anderen Genres soll aber immer die Literatur bleiben. Schablonen- Denken in der Literatur hält Hückstädt, selbst großer Film- und Fußballfan, für so «komisch und gespreizt wie die spanische Hofreitschule».
An originellen Ideen scheint es ihm nicht zu mangeln. «Mitglieds Heim» heißt eine neue Reihe, bei der ein Autor in der Wohnung eines Mitglieds des als Verein organisierten Literaturhauses liest. Den Anfang macht Ende Oktober Lars Brandt, der in seinem Buch «Andenken» eine Annäherung an seinen berühmten Vater - den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt - unternommen hat. Er wird erstmals aus einem Manuskript lesen, das im kommenden Jahr als Buch erscheint.
Seit fünf Jahren sitzt das Literaturhaus in der Alten Stadtbibliothek, die für sieben Millionen Euro wiederaufgebaut wurde. Die Schwellenangst vor dem feudal wirkenden Bau soll künftig vor allem den ganz Jungen genommen werden. Für Kinder und Jugendliche sind mehr Lesungen geplant. Hückstädt sieht dabei einen «monumentalen Rückstand» in Deutschland.
Rund 600 000 Euro beträgt der Jahresetat des Hauses. Das ist verglichen mit ähnlichen Einrichtungen in anderen Städten viel - für Frankfurt aber eher wenig. Deshalb will sich der Vorsitzende des Literaturhaus-Vereins, der Frankfurter Verleger Joachim Unseld, verstärkt um Sponsoren kümmern.